kurze Geschichte der Osteopathie
© Hartwig Liedtke 2015

Die Osteopathische Medizin wurde durch den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still, geboren 1828, Militärarzt und Chirurg, begründet. Er suchte einen ‚besseren’ Weg als die Schulmedizin, die zu seiner Zeit deutliche Grenzen aufwies. Der von ihm 1874 geprägte Begriff Osteopathie setzt sich zusammen aus Osteon (= Knochen, im Sinne des Bewegungsapparates) und Pathos (= die Leidenschaft, im Sinne der Zuwendung). Dieser Begriff ist gewiss veraltet und missverständlich, hat sich aber weltweit durchgesetzt und würdigt Stills Bemühen um diese revolutionären Behandlungsmethoden. Still ging davon aus, dass der Körper in der Lage ist, sich selbst zu heilen, wobei sich die Struktur und Funktion gegenseitig bedingen.

Was unterscheidet die Osteopathie von der sog. Schulmedizin?

Wie bei der Schulmedizin auch ist die Kenntnis der Anatomie, der Physiologie, der Biochemie, etc. des Menschen unerlässlich. Des weiteren müssen vor einer osteopathischen Behandlung sogenannte organische Leiden, die u.a. medikamentös, diätetisch oder sogar operativ behandelt werden müssen, ausgeschlossen werden. Sollte es sich bei dem Beschwerdebild des Patienten aber um eine somatische Dysfunktion, das heißt um Funktionsstörungen des Körpers handeln, die sich in chronischen Schmerzen, Verspannungen, Bewegungsstörungen, etc. äußern, dann sind die Osteopathischen Techniken eine wunderbare Möglichkeit, den Menschen wieder in seine ‚Mitte’ zu führen. Das mag manchem fremd erscheinen, aber es funktioniert. Die Amerikaner haben damit einen völlig neuen Behandlungsweg gefunden, dessen Ansatz auf einer grundsätzlich anderen Sichtweise auf den Patienten basiert, der später von den Europäern aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. 
Und es gilt wie immer der alte medizinische Grundsatz: Wer heilt, hat recht!   

Wo setzen die Osteopathischen Techniken an?

In der Osteopathie steht die 'Funktionelle Anatomie'  im Vordergrund, d.h. der dynamische Bauplan des Menschen mit seinen vielfältigen Strukturen und Funktionen sowie deren Steuerung. Hier werden nicht einzelne Körperteile wie Muskeln, Sehnen, Haut, Knochen, Gelenke, Nerven- und Gefäßsysteme, innere Organe, etc. isoliert voneinander betrachtet, sondern ihr Bezug zueinander und ihre gegenseitige Beeinflussung als Ursache möglicher Störungen gesucht und therapiert. Die Osteopathie begleitet und unterstützt die natürlichen Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus.
Um das zu erreichen, 'benutzen' die Osteopathen gemeinsame, alle Bestandteile des lebenden Organismus verbindende Strukturen: Die Faszien, das Bindegewebe, die Knochen
(siehe auch: Bone Strain Relief).

Alles ist mit allem verwoben, wie ein großes Tuch, nur dreidimensional. Zieht man am einen Ende, verwirft sich das Gewebe an mehreren anderen Stellen zu Falten. Soll zeigen, wie eng die Strukturen miteinander verflochten sind. So muss ein Ort maximaler Beschwerden nicht immer identisch mit der Region sein, die ursächlich für die Störung, die somatische Dysfunktion verantwortlich ist. Chronische Beschwerden im Rücken- oder Beckenbereich können z.B. zu Fehlfunktionen im Fuß oder in der Nackenregion mit Kopfschmerzen führen.

Nachsorge

Eine vorübergehende Verschlimmerung der Beschwerden ist im Verlauf der ersten Woche nach der Behandlung möglich und nichts Ungewöhnliches. Nach der osteopathischen Behandlung und dem Bone Strain Relief beginnt die Rekonvaleszenzphase, die bis zu 3 Wochen dauern kann. Sie ist wie ein Chamäleon mit Höhen und Tiefen. Also Geduld ist gefragt. Gelegentlich kann eine Schmerztablette Erleichterung bringen.

3 Tage lang sollten sportliche Aktivitäten unterbleiben.

Trotz der häufig eindrucksvollen Ergebnisse, direkt nach der ersten Behandlung, 

sind weitere 1 - 2 Therapiesitzungen ratsam, um den Heilungsprozess zu vertiefen.

Osteopathische Imagination © Hartwig Liedtke 2016

ein Weg zur osteopathischen Selbstbehandlung

In der Osteopathie wird über das Berühren und Manipulieren des Patienten Einfluss auf dessen Verknüpfungen mit dem zentralen Nervensystem genommen, um zu lindern oder sogar zu heilen. Unbestritten ist die Wirkung des osteopathischen Vorgehens auf die entsprechenden Repräsentanzen/Zentren im Cortex- oder Großhirn. Andererseits ist es möglich, nur mit der Kraft der Gedanken periphere Körperregionen anzusprechen und zu beeinflussen. ‚Das Gehirn ist auf das engste mit dem Körper verbunden‘ (Gerald Hüther, 2014). In zahlreichen Experimenten und Fällen wurde das bestätigt.
Die Osteopathische Imagination (OI) beschreibt ein Verfahren, wie der Laie/Patient/Osteopath sich selbst nur mit Hilfe seiner Gedanken therapieren kann.
Osteopathische Imagination ist vergleichbar mit einer Meditationsübung. Lassen Sie sich auf dieses Abenteuer ein, bei dem man nur gewinnen kann! Es macht Spaß! Sie werden verblüfft sein, wozu Ihr Geist in der Lage ist.
Nur Mut! Sie können nichts verkehrt machen. Schlimmstenfalls erleben Sie keine Linderung der Beschwerden, dafür aber werden sie gut schlafen.

Therapeutisches Vorgehen:
Suchen Sie sich einen bequemen Platz (Sessel, Bett) und nehmen Sie sich mindestens 20 Minuten Zeit. Schließen Sie die Augen. Ihre Hände und Arme liegen neben Ihrem Körper.
Jetzt stellen Sie sich zwei wichtige Fragen:

1. Wo befindet sich das Gewebe mit der größten Spannung?
2. Wo habe ich die meisten Schmerzen?

Entscheiden Sie sich für das Körperteil, das Ihnen den größten Kummer bereitet.
Gegenüber einem ausgebildeten Osteopathen haben Sie den Vorteil, dass Sie wissen, wo die Beschwerden sind, oder spüren, wo sich der Ort der höchsten Spannung befindet. Sie konzentrieren sich sodann auf diesen Gewebekomplex und versuchen ihn ausschließlich Kraft Ihrer Gedanken mit beiden Händen fest zu umschließen.  Das fordert höchste Konzentration und ist sehr anstrengend.

Ab hier gibt es zwei Behandlungsalternativen:
 
1. Hat das Gewebe eine minimale Bewegungstendenz, will es irgendwo hin?
Wenn ja, dann bewegen Sie Ihre gedachten (visualisierten) Hände samt umschlossenem Körperteil nur andeutungsweise in die Richtung, in die das Gewebe gerne möchte. Alle Bewegungen (schieben, ziehen, drehen) und Richtungen (links, rechts, rauf, runter, hin, her) sind erlaubt. Hören Sie auf das Gewebe; es sagt Ihnen, wohin die Reise geht.
Die Geschwindigkeit der Bewegung gibt das Gewebe vor. Lassen Sie sich Zeit. Die Bewegungstendenz darf und soll minimal akzentuiert, beziehungsweise verstärkt werden. Wichtig: Weniger ist mehr. Konzentration! Kommt das Gewebe irgendwann scheinbar zur Ruhe - das wäre ein sehr gutes Zeichen: Der sog. Still Point (oder auch: Point of Balanced Tension – PBT) - , halten Sie inne und warten Sie ab. Nicht los- oder nachlassen. Die Eigenbewegung des Gewebes kehrt nach wenigen Minuten, oft aber schon früher wieder zurück. Haben Sie diese Selbstbehandlungsphase erreicht, sind Sie gut!

2. Sollten Sie keine Bewegungstendenz des betroffenen Gewebekomplexes erfühlen,
dann schieben oder drehen Sie diesen Bereich mit Ihren imaginierten Händen in die Richtung, in der es zu einer Entspannung oder Linderung der Beschwerden kommt. Probieren Sie es aus. Es gibt immer eine Position, die Ihnen etwas Erleichterung verschafft. Dort halten Sie das Gewebe so lange, bis Sie eine Schmerz- oder Spannungsminderung spüren. Konzentration. Es ist anstrengend. Gedanken wollen abschweifen. Kehren Sie zu Ihrer Aufgabe zurück!

Beide Behandlungsalternativen können mehrmals wiederholt werden.
Die Dauer eines Selbstbehandlungszyklus kann von wenigen Minuten bis zu 15 und mehr Minuten dauern.
Dank Ihrer Vorstellungskraft können Ihre Hände jedes Körperteil umfassen, unabhängig von anatomischer Größe und Lokalisation. Je nach Bedarf können Ihre Hände groß oder winzig sein. Auch kann das zu behandelnde Gewebeteil reale anatomische Grenzen sprengen.
Manchmal erleichtert es die Selbstbehandlung, wenn man sich den Gewebekomplex  vergrößert vorstellt oder verkleinert und schrumpft. Experimentieren Sie.
Es existieren keine physikalischen Grenzen. Körperteile können so verschoben oder verbogen werden, wie es in der Realität gar nicht möglich wäre. Manchmal sind ganz abstruse Stellungen oder Verrenkungen nötig, um die Position einer Beschwerdeminderung oder -freiheit zu erreichen. Auch darin liegt ein weiterer Vorteil gegenüber der konventionellen Osteopathie.


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Mantra-Körper-Meditation © Hartwig Liedtke 2014

Vorbemerkung

Warum soll man in der Meditation auf fremde Klangwörter (z.B. Mantras) zurückgreifen, wenn auch in der Muttersprache klingende und bedeutungsvolle Begriffe und Sätze für Konzentrations- und innere Einkehrübungen zu finden sind? Die hier aufgeführten Wörter und Phrasen sollen nur Vorschläge sein, die jeder Meditierende für sich passend verändern, verkürzen, erweitern und neu erfinden kann.

Man sollte sich mit den Begriffen wohl fühlen, die man in der Meditationsübung gedanklich rezitiert. Auch die vorgeschlagene Zuordnung von Mantras zu bestimmten Körperregionen soll nicht als starre Anordnung betrachtet werden. Die Gedanken schweifen ohnehin während der Sitzung immer mal wieder ab und gehen auf Reisen.
Die den Mantras zugeordneten Körperregionen mögen vielleicht an traditionelle Chakren erinnern, sind aber nicht deckungsgleich. Nach Belieben kann an jedem Ort und in jeder Haltung meditiert werden. 

Die Dauer einer ‚Sitzung‘ sollte aber nicht länger als 30 Minuten betragen.
Viel Vergnügen!

 

 

Nur gute Gedanken
 

Scheitel und Großhirnrinde, verbunden mit einem groben Körperscan, dem nach innen gerichteten Betrachten von Regionen mit vermehrter Spannung oder gar Schmerzen

 

Du bist wunderbar

 

Hirnregionen zwischen den Augen und dem Hinterhaupt, oberhalb der Schädelbasis. Hier finden sich die archaischen Hirnstrukturen, das Zwischen-, Mittel-, Rauten- und Nachhirn (Mesencephalon, Diencephalon, Rhombencephalon, Myelencephalon). Diese Regionen ist gedanklich nur indirekt anzusteuern, da es keine Struktur gibt, die man erfühlen kann.

Eine gedankliches Verweilen in diesen Bereich ist insofern hilfreich, da auf dieser Ebene auch negative Afferenzen, Emotionen und ein gesteigerter Sympathikotonus gebremst und heruntergefahren werden können.

 

Liebe
 

Alle Strukturen hinter dem Brustbein, der gesamte Thorax mit Bronchien, Lunge, Gefäßen, Nerven und Herz. Die Atmung wird als wohltuend und befreiend wahrgenommen.

Dankbarkeit
 

Der Solarplexus (das Sonnengeflecht) befindet sich in der Oberbauchregion vor der Brustwirbelsäule, hinter der Bauchhöhle mit Übergang zum gesamten Bauchraum.

 

Vertrauen
 

Der Beckenboden, die Innenseite von Kreuz- und Steißbein verbunden mit den Geschlechtsorganen, der Harnblase, dem Rektum und des Anus.

 

Gegen Ende sollte man vielleicht versuchen, gedanklich eine Verbindung vom Kreuzbein (Sacrum) über den Solarplexus zur innen gelegenen Hinterhauptregion zu erfühlen, weil auch in der Frühphase der Embryonalentwicklung diese Bereiche eine Einheit waren.

 


 

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